Weiterbildung

Drohnen-Journalismus
Neues Sehen und Erzählen mit Kamera-Coptern

Bloggersamstag vom 30. April 2016

Flugtag über Haus Busch: Pionier-Charakter hatte die zweite Veranstaltung der Reihe „Blogger-Samstage“ in Haus Busch. Eigentlich hätte sie ruhig „Drohnen-Journalismus“ heißen können, meinten Max Ruppert und Fabian Werba. Aber weil Drohnen Tod und Elend in Kriegsgebiete rund um den Globus bringen, ziehen die beiden Experten rund um den Drohneneinsatz für journalistische Zwecke den Titel „Copter Communication“ vor. So begründeten sie gegenüber den Teilnehmern den Titel ihres Seminars im Journalisten-Zentrum in Hagen.

Und Copter Communication ist das Spezialgebiet, dass sich Ruppert und Werba zusammen mit Elke Thimm erarbeiten. Ruppert hat in Stuttgart an der Hochschule der Medien im vorigen Jahr das erste interdisziplinäre „Copter Communication Camp“ gestartet. Es geht ihm um das Ausloten von journalistische Chancen und Möglichkeiten dieser Drohnen, die da im Seminarraum auf einem Nebentisch aufgereiht waren. Und Fabian Werba ist der Profi im Umgang mit Kamera-Drohnen aller Art. Denn er bietet Flugaufnahmen für Filme, das Fernsehen und das Internet an.

Blogger-Samstag am 30.04.2016 - Drohnenjournalismus - Sehen und Erzählen mit Kamera-Coptern
Aufstieg des professionellen Multicopters mit Traglast von 5 kg, hier mit Spiegelreflexkamera ausgestattet. Pilot Fabian Werba (mit Sonnenbrille) und rechts Kamera-Operator Max Ruppert mit Kamera-Fernbedienung.

Mitgebracht hatten die beiden Fachleute aus Potsdam und Stuttgart eine ganze Riege dieser „unbemannten Luftfahrtsysteme“ (AUS), wie der Gesetzgeber Drohnen einordnet. Um ihren Einsatz ranken sich viele Gesetze und Vorschriften. Und die, so das Fazit des Samstagvormittags, machen es Journalisten nicht leicht, diese Geräte „mal eben so“ einzusetzen.

Parallel dazu fand an diesem zweiten Blogger-Samstag am 30. April auch das gut besuchte Seminar von Bernd Beuermann zur Videoproduktion mit Fotokameras statt. Auch dies war speziell ausgerichtet auf Lokalblogger, die die Kameras für ihre Online-Medien einsetzen. Während hier der Kamera-Blick noch erdgebunden bleibt, bietet der Copter neue Vogelflug-Sichtweisen auf Szenarien.

Gerade weil Drohnen in den vergangenen rund drei Jahren erschwinglich geworden sind, tauchen sie immer häufiger am Himmel auf. Inzwischen auch bei Polizei- und Feuerwehreinsätzen. Oder sie geraten sogar wie jüngst in London auf dem Flughafen in Heathrow in den Flugverkehr. Sie werden zur Konkurrenz für Journmalisten-Profis beim Wettbewerb um das beste Foto oder die ungewöhnliche Perspektive. Viele Journalisten und Redaktionen wissen aber noch nicht genau, was sie alles tun müssen, wenn sie Drohnen als fliegende Kameras einsetzen wollen. Und in der Diskussion mit den Lokalbloggern im Seminar zeigte sich, dass Bürger wie auch Unternehmen verunsichert sind, wenn ihnen Drohnen im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren fliegen.

Blogger-Samstag am 30.04.2016 - Drohnenjournalismus - Sehen und Erzählen mit Kamera-Coptern
Fabian Werba steuert die Phantom 4 mit Fernbedienung auf Sichtweite, Tablet oder Smartphone dienen zur Kontrolle der Aufnahmen.

Wie schwer es ist, selbst kleine Nano-Copter in der Luft zu halten, zeigte sich bei praktischen Übungseinheiten im Saal. Schnell stellten sich Referenten und Teilnehmer der Frage nach Grenzen des Drohnen-Einsatzes. Wann wird es illegal über fremde Grundstücke oder Gebäude zu fliegen? Oder ist es legitim, bei einem investigativen Einsatz beispielsweise zwischen Häusern zu fliegen?

Eine wichtige Erkenntnis für die Teilnehmer: Wer diese Fluggeräte für den Privatgebrauch einsetzt, hat es wesentlich leichter als Lokalblogger. Denn in dem Augenblick, wo eins dieser UAS gewerblich genutzt wird und damit der Lokalblogger damit Geld verdient, sind erst einmal Genehmigungen fällig, die Werba für die Teilnehmer detailliert auflistete. Fazit: An den Luftfahrtbehörden kommt niemand vorbei. Sprich: In Nordrhein-Westfalen an der dafür zuständigen Bezirksregierung in Münster. Hier gibt’s einen Überblick des Bundesverkehrsministeriums: bmvi.de/

Und versichert muss der Pilot einer Drohne natürlich auch sein. Und das läppert sich schnell auf Summen, die manchen der Teilnehmer in dem Seminar im großen Saal von Haus Busch ins Nachrechnen und Grübeln brachten. Denn für den aktuellen Einsatz bei Bränden und Katstrophen dürfen Drohnen nicht eingesetzt werden. Ohne Sonder-Genehmigung geht da gar nichts, erläuterte Werba. Nicht einmal in Randlagen. Was das für Journalisten bedeutet, hat das DJV-Magazin „journalist“ zusammengestellt: journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/redaktionswerkstatt/was-journalisten-ueber-drohnen-wissen-sollten

Blogger-Samstag am 30.04.2016 - Drohnenjournalismus - Sehen und Erzählen mit Kamera-Coptern
Fabian Werba fliegt die kleine, serienmäßig erhältliche Phantom 4 von DJI mit eingebauter digitaler Mini-Kamera.

Kein journalistischer Markt bleibt lange unbesetzt, zeigte sich auch in der Diskussion. Beim Copter-Einsatz zieht bereits - ähnlich wie für die Unfall-Berichterstatter - mit Polizei und Feuerwehr eine Konkurrenz herauf. Denn die Hilfskräfte setzen bei Großeinsätzen selbst Drohnen ein, um die Lage aufzuklären. Solche Drohnen-Aufnahmen und -Videos werden inzwischen auch Medien zur Verfügung gestellt.

Der Praxis-Teil des Seminars am Nachmittag zeigte denn auch die Fallstricke und nötigen Vorbereitungen. Gutes Flugwetter mit bester Sicht zog erst am Nachmittag auf. Haus-Busch-Leiter Thomas Müller steuerte eine notwendige Aufstiegserlaubnis der Stadt Hagen als Eigentümer für das Gelände von Haus Busch bei. Werba reichte noch seine allgemeine Erlaubnis für Nordrhein-Westfalen herum – und dann ging es in den Himmel über Haus Busch. Die unterschiedlich großen Kamera-Drohnen lieferten - teils inzwischen halbautomatisch – nicht nur neue Ansichten auf bekanntes Terrain. Sondern die Gruppe experimentierte auf dem Gelände mit neuen filmischen Erzählformen journalistischer Geschichten. Drohnen erlauben ja nicht nur „göttlichen Blick“ von oben auf die Welt, sondern ermöglichen im Vorbeiflug oder inzwischen im (Ver-)Folgen von beweglichen Objekten und Menschen neue Sichtweisen. Bei Interesse von Lokalbloggern, so kündigten Ruppert und Werba an, bieten sie im Herbst noch ein vertiefendes Fachseminar in Haus Busch an.

Weitere Informationen zum Copter Communication gibt es auch hier:
volledrohnung.wordpress.com
get.torial.com/blog/2015/08/lasst-uns-doch-mal-eine-drohne-einsetzen
youtube.com/watch?v=OPV94YWCJGU
fiwafly.de/fiwafly.de
journalisten-tools.de/recherchieren/so-gelingt-der-einstieg-in-den-drohnen-journalismus

Text: Werner Hinse
Fotos: Arne Pöhnert

 

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